top of page
  • Britta Bonten

Unser Fazit zu Chile đŸ‡šđŸ‡±

Aktualisiert: 16. Mai

Gleich vorab: Besonders viel haben wir von Chile nicht gesehen - dafĂŒr natĂŒrlich die Highlights! Die Hauptstadt Santiago de Chile mussten wir neben vielem anderen außen vor lassen. Bei knapp sechs Monaten gilt es PrioritĂ€ten zu setzen!


Besucht haben wir neben Puerto Varas im Valdivianischen Regenwald (im Kayak), den wunderschönen patagonischen Teil mit Punta Arenas und Puerto Natales sowie den Nationalpark Torres del Paine. Schließlich die - positiv wie negativ - eindrucksvolle Atacama WĂŒste mit San Pedro de Atacama! Das drittgrĂ¶ĂŸte Eisfeld der Welt (nach Grönland und der Antarktis) haben wir von El ChaltĂšn nach Ushuaia (argentinisch Feuerland) ĂŒberflogen. Alles mehr als sehenswert...


Genauso unvergesslich ist es, ĂŒberhaupt nach Chile einzureisen. Es bedarf vorab einer elektronischen Anmeldung - quasi eine Aufenthaltserlaubnis; allerdings mit einer an der Grenze stattfindenden Gesichts- und GepĂ€ckkontrolle der ganz besonderen Art! DemgegenĂŒber ist die Einreise in die USA die reinste Charme-Offensive.


WĂ€hrend unserer Gruppenreise kommen wir das erste Mal in den Genuss einzureisen! Simone, unsere Patagonien-Fachfrau, und zwei speziell fĂŒr den GrenzĂŒbertritt erfahrene Guides, bleuen uns schon zwei Tage vorher ein, bei der Grenzkontrolle weder zu lachen, laut zu sein noch sonst uns in irgendeiner Weise auffĂ€llig zu verhalten... es herrsche an der Grenze ein strenges Regiment. Klingt spaßbefreit und ist es auch! Genau mein Stichwort, um erst recht zu provozieren! 😉


Nachdem ich aber zuvor in diversen Reiseblogs Schauergeschichten ĂŒber die Unberechenbarkeit chilenischer Beamter gelesen habe, halte ich mich lieber zurĂŒck, denn wir sind als Gruppe unterwegs und wollen schließlich ein- und weiter durch Patagonien reisen!


Bevor wir uns am Morgen dem Grenzgebiet nĂ€hern, fressen wir uns noch wie die MĂ€use vor dem Winterschlaf durch den Speck: Wir vertilgen sĂ€mtliche noch offene Lebensmittel, von Obst ĂŒber NĂŒsse hin zu PlĂ€tzchen und Cracker und offene GummibĂ€rchen! Und selbst unsere originalverpackte, noch geschlossene Nussmischung muss im MĂŒlleimer landen, weil sie nicht ganz den Kriterien unserer Chile-Guides entsprechen - aus reiner Vorsicht! Mit den "Guardian de fronteras" ist nicht gut Kirschen essen. Wir wollen nicht wegen ein paar NĂŒssen riskieren, ihren Unmut zu provozieren oder in wilde Diskussion geraten! Also heißt es: Klappe halten.


Vielleicht stehen die Planeten besonders gĂŒnstig oder die Kontrolleure haben alle himmlisch getrĂ€umt, wer weiß! Weil wir uns zudem alle zahm wie die Kaninchen verhalten, keine Spuren von NĂŒssen, Milchprodukten oder Obst zu finden sind, können wir unser GlĂŒck kaum fassen, ohne Umschweife, ErklĂ€rungen oder was auch immer die heilige Grenze ĂŒbertreten zu dĂŒrfen. Chile đŸ‡šđŸ‡±, wir sind da!


Die Beamt*innen sind entgegen aller Erwartungen Ă€ußerst freundlich und nett - selbst Simone und die Guides sind verwundert, gleichzeitig erleichtert und heilfroh. Dass alles so ratzifatzi verlĂ€uft und wir zĂŒgig unsere Reise im Kleinbus fortsetzen können, ist eine Premiere.


Wichtig: Du bekommst bei der Einreise einen kleinen Beleg, den du zusammen mit dem Reisepass in JEDEM Hotel vorzeigen musst. Dieser Beleg ist so was wie deine Aufenthalts- Ausreiseerlaubnis & Lebensversicherung in einem! Du musst den Beleg beim Verlassen des Landes wieder abgeben und darfst ihn unter KEINEN UmstÀnden verlieren! Ab sofort haben wir alle also einen dritten Augapfel! Was passiert, falls wir den Beleg verlieren, wollen wir lieber gar nicht wissen...


Als wir das zweite Mal Chile besuchen, fliegen wir von Buenos Aires ĂŒber Santiago nach Calama in die Atacama-WĂŒste. Wir fĂŒhlen uns wie die Chile-Einreise-Profis und sind gewappnet: Das ganze Prozedere verlĂ€uft allerdings komplett unspektakulĂ€r. Fast schon langweilig. Schade eigentlich, denn Abenteuer sind inzwischen unser neues Hobby!


Hier jetzt unsere ganz persönlichen Beobachtungen und Empfindungen zum chilenischen Look & Feel, die nur einen minimalen Ausschnitt zeigen können:


  • ebenso wie im Nachbarland Argentinien gilt auch hier: KEIN Klopapier in die Toilette! Bitte nur in den Eimer, wenn denn einer vorhanden ist

  • auch hier sind Toilettenpapier und PapiertaschentĂŒcher dĂŒnner als hauchdĂŒnn und zerfallen, wenn du sie nur schief anschaust

  • die Essensportionen bewegen sich hier im Normalbereich fĂŒr europĂ€ische MĂ€gen

  • alles erscheint besser in Schuss zu sein, weiterentwickelt und westlicher - von Straßen ĂŒber Infrastruktur hin zu GebĂ€uden

  • das Land erscheint uns wohlhabender und dass es den Chilenen durchschnitich wirtschaftlich besser geht - wir beobachten, dass sie höherwertigere, neuere und bessere Autos fahren

  • die Busse sind extrem klein - wirken wie Spielzeug

  • und auch in Chile prĂ€gen streunende Hunde das Stadtbild, leider auch inklusive Tretminen - die "Köter" sind meistens gechillt und halten tagsĂŒber Siesta im Staub der Straßen; nachts werden sie aktiver und bellen stundenlang wie verrĂŒckt - wenn du Pech hast, vor deinem Hotelzimmer

  • zwei interessante Beobachtungen hinsichtlich Straßenverkehr: a) hier gibt es "diagonale Ampeln" fĂŒr FußgĂ€nger, d. h. du kannst diagonal ĂŒber eine Kreuzung gehen (in Dunedin, Sydney und in Honolulu haben wir das auch gesehen) b) FußgĂ€nger werden königlich behandelt - sobald du an einem Zebrastreifen stehst, halten die Autos SOFORT an und schalten den Warnblinker ein!

  • besonders Puerto Varas weckt in uns HeimatgefĂŒhle: Deutsche Zuwanderer haben offenbar mit ihren BackkĂŒnsten fĂŒr nachhaltigen Eindruck gesorgt! Es gibt einige CafĂ©s, in denen uns feinste deutsche Sahnetorten, Blechkuchen und weiteres HĂŒftgold anlachen - Churros auch zum Beispiel, mit Dulce di Leche (Karamellcreme) total lecker!

  • hervorragendes Fleisch wie Bife und Lomo gibt es auch in Chile ebenso wie

  • Pisco Sour - wir sind es noch nicht leid geworden und gönnen uns dann und wann dieses ErfrischungsgetrĂ€nk

  • frisches Obst, Salat und GemĂŒse sind wie schon zuvor in Argentinien Mangelware - es gibt erstens kein großes Angebot in SupermĂ€rkten bspw. und zweitens auch selten spezielle GemĂŒsegerichte in Lokalen

  • "Vegetarisch - dann geht doch Huhn, oder?", so haben wir es oft gehört! Wer vegan lebt und nach Chile oder Argentinien reist, sollte sich entweder seine Speisen mitbringen (!) oder auf DiĂ€t einstellen; auch glutenfrei zu essen ist nicht ganz einfach, aber machbarer...

  • die Chilen*innen erscheinen uns etwas weltoffener und freundlicher als ihre argentinischen Nachbarn

  • mit Englisch kommen wir im Hotel und in San Pedro de Atacama gut klar - aber könnt ihr euch vorstellen, dass das Personal einer internationalen Fluggesellschaft (Latam) am international Airport in Santiago kaum bis gar kein Englisch spricht? Kleine Episode: Beim Weiterflug nach NZL will mir das System vorab keinen Boardingpass ausstellen, fĂŒr Christian schon; am Flughafen in Calama versuchen wir das zu klĂ€ren, es liegt vermutlich an der Technik; aber es dauert eine gute Dreiviertelstunde, bis die Damen das irgendwie verstehen und bearbeiten können (nur eine von drei kann sich auf Englisch verstĂ€ndigen); sie hĂ€ndigen mir einen Wisch als Boardingspass aus, ich soll mich dann in Santiago am Flugschalter melden und mir dort den richtigen ausstellen lassen... Gesagt, versucht. Hier dasselbe Spiel nur potenziert! Wie in einem HĂŒhnerstall laufen die Angestellten der Fluglinie ziellos durch die Gegend, stehend quatschen sie tiefenentspannt miteinander - wĂ€hrend die Schlange und der Unmut der wartenden Touristen immer lĂ€nger wird. Bei manchen liegen die Nerven total blank, denn die Zeit lĂ€uft und es geht nicht weiter. Auch unser Zwischenstop in Santiago ist relativ kurz und es herrscht ein einziges Chaos, da sich von allen Seiten irgendwelche Passagiere vorzudrĂ€ngeln scheinen. Interessieren tut das seitens der Verantwortlichen in der Flughalle aber niemanden. Christians Geduldsfaden ist so kurz wie nie zuvor und er wird laut. Das heißt was. Nach vielen ErklĂ€rungen und mit dem bestimmten Timbre in der Stimme, versteht uns dann offensichtlich doch eine Angestellte und nach ein paar Minuten drĂŒckt uns ihre Kollegin den ersehnten Boardingpass in die Hand.

  • unsere Erkenntnis: 1. Positiv formuliert denken wir, dass es ein großes Potenzial fĂŒr Effizienzsteigerungen und verbesserte ArbeitsablĂ€ufe gibt. Und fĂŒr eine internationale Ausrichtung mit mehr Sprachkompetenz. Aber vielleicht ist das auch gar nicht gewollt? 2. Es geht alles viiieeel langsamer; du brauchst mehr Geduld und Muße im Alltag und besonders in den Ausnahmesituationen; die Leute sind es gewohnt, zu warten und haben unserer Meinung auch gar nicht den Drang, Dinge zu beschleunigen; ein Clash der Kulturen - ich tue mich damit schwer.

  • San Pedro de Atacama ist eine relativ touristische Stadt mitten in der WĂŒste - trocken und heiß; wir sind froh hier ein paar Tage zur Ruhe zu kommen - die Aktivreise hat ein paar Spuren hinterlassen und wir wollen ausschlafen und uns treiben lassen; leider ist der Aufenthalt insgesamt aber etwas "enttĂ€uschend" fĂŒr uns: Trotz irre coolem Hotel, faszinierender Natur und einem atemberaubendem Stargazing bei Vollmond und gleichzeitig grĂŒnem Kometen hatte ich persönlich gehofft, mehr Sterne bei klarerem Nachthimmel sehen zu können. Das ist jedoch gar nicht möglich, denn der Ort ist viel zu stark beleuchtet. Und in ein Observatorium können wir auch nicht, da es viel zu weit weg ist und kein Mietauto mehr zu bekommen ist

  • dennoch erleben wir faszinierende Naturschauspiele innerhalb einer einzigartigen Region, die wir bestaunen dĂŒrfen - erst einmal muss ich mit der Höhe klarkommen. Die Stadt, eher Dorf, liegt auf 2.407 Meter. Kopfschmerzen, schnellerer Atem und dizziness begleiten mich die ersten zwei Tage. Was wir dann bei den AusflĂŒgen spĂ€ter auf ĂŒber 4.500 m sehen und erleben, ist wirklich einmalig. Die Erde gewĂ€hrt uns dort einen Einblick in ihr Innerstes: Geysire, Vulkane, ein Brodeln und Blubbern, bewegte Steine und Erde mit einem interessanten Farbspektrum von Mineralien zusammengesetzt zu einem Gesamtkunstwerk. Wie schön die Natur unserer Erde ist...

  • und auch die Tierwelt ist besonders: Wir treffen auf die kleine Art der Guanacos, die Vicunhas, auf Flamingos und sehen einen Fuchs - leider keinen Puma! Ein Wunder, dass hier in dem lebensfeindlichen Raum ĂŒberhaupt so viele Tiere ĂŒberleben. Spinnen, Schlangen sowie my best Buddies, Skorpione, halten sich dankenswerterweise versteckt - ich bin recht froh darĂŒber. Aber die Feuerprobe in Sydney kommt ja noch...

  • es bleibt ein leider sehr bitterer Nachgeschmack der Atacama-WĂŒste zurĂŒck: Die Straßen rund um den Flughafen Calama sind eine einzige MĂŒllhalde. Es ist völlig unverstĂ€ndlich und eine Schande, wie viel an Plastik, Hausrat und jeglicher andere Mist einfach neben der Straße liegt. Der Wind trĂ€gt natĂŒrlich auch noch dazu bei, den Unrat zu verteilen. Gerade an solch sensiblen Orten mit unschĂ€tzbarem Naturwert, hĂ€uft sich MĂŒll ohne Ende. Bizarr erheben sich dazwischen zig WindrĂ€der aus dem rotgelbem Staub! Erneuerbare Energienutzung inmitten einer MĂŒllwĂŒste - skurril und verstörend zugleich. Woher stammt dieser MĂŒll? Von Touristen oder/und Einheimischen? Was lĂ€uft da schief? Mangelt es an Bewusstsein? An Möglichkeiten? An Erziehung? An VerstĂ€ndnis? An AufklĂ€rung? An öffentlichen MĂŒlldeponien? An Geld? Puh, meine Fragezeichen bleiben ...

  • fĂŒr mich war SĂŒdamerika insgesamt "spannend" - es zu erleben und gesehen zu haben, war toll und ich möchte es nicht missen mich hat die abwechslungsreiche und nie zuvor erlebte Natur vor allem in Patagonien und Feuerland sowie im valdivianischen Regenwald sehr berĂŒhrt;

  • mit Pinguinen zu laufen, sie zwischen den eigenen FĂŒĂŸen zu haben, ihnen so nahe zu kommen wie sonst nirgends und den Perito Moreno Gletscher live erlebt zu haben, zĂ€hlen zu den einzigartigsten Erlebnissen ĂŒberhaupt; bis dato sind diese Momente eingeprĂ€gt und ich hoffe sie noch lange mit und bei mir tragen zu können

  • damit ist fĂŒr mich das Kapitel SĂŒdamerika geschlossen; ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mich auf Reisen zumindest zum ĂŒberwiegenden Teil wohlfĂŒhlen möchte; im Vergleich zu unseren anderen Stationen (die noch folgen sollen), war das in SĂŒdamerika nicht so der Fall. Und das lag nicht nur an den teilweise miserablen ZustĂ€nden der Toiletten...

  • weiterer Gedanke: Was kann oder soll das alles noch toppen? Schwer vorstellbar!

  • EinschrĂ€nkung: Falls wir doch nochmals unbedingt Mittelamerika oder Bolivien (wurde uns mehrfach empfohlen) bereisen sollten, dann nur als gefĂŒhrte Gruppenreise: mit einer Begleitung wie Schlampine Simone und einer so tollen Truppe wie der Patagonien-Crew!


To be continued.


bb





















27 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle BeitrÀge

Alle ansehen
bottom of page